Stress kann resilient machen!

Stress kann resilient machen!

Widerstandsfähigkeit erwächst nicht aus dem Nichts. Es braucht meist eine Extremsituation, die schlummernde Kräfte in uns erweckt. Die Erfahrungen, solche Situationen zu überleben – im besten Fall erfolgreich zu bewältigen – nähren die Resilienz: das Vertrauen in die eigenen Kräfte.

Aktuell brauchen wir die Resilienz wieder mehr als sonst: Krankheit, Personalausfall, Weihnachtszeit, Kälte. Wie können wir das Vertrauen in die eigene Kräfte nähren?

Hier ein paar kleine Impulse:

  1. „Es wird auch wieder anders werden.“ (Zuversicht)
    Keine Anspannung hält sich dauerhaft auf 150 %. Es wird einen Abfall geben. Spätestens, wenn der Körper uns dazu zwingt, in dem er sich einen Virus einfängt. Es gilt, die kleinen Momente der Entspannung wahrzunehmen: auf dem Weg von A nach B die klare Winterluft, den reißenden Fluss, ein leises Vogelgezwitscher. Sich bewusst zu machen, dass diese Woche schon erträglicher als letzte Woche ist oder dass es in zwei Wochen einen Tag geben wird, in dem es eine paar Zeitlöcher zum entspannen geben wird.
  2. „Was du heute nicht kannst besorgen, verschiebe auf morgen.“ (Mut zur Muße für das große Warum)
    Natürlich ist es stärkend zu wissen, wozu wir tun, was wir tun. Vielleicht gibt es Kinder zu versorgen, vielleicht hat der eigene Idealismus einen in den aktuellen Beruf getrieben. Vielleicht sind da auch große Zweifel, warum man tut, was man tut. Dann ist es wichtig, diese wahr und ernst zunehmen, ohne JETZT in die Lösungssuche zu gehen. Im Stress lassen sich meist keine kreativen Entscheidungen treffen. Eine wichtige Rolle spielt hier die Akzeptanz. In ihr verbirgt sich eine große Kraftquelle. Akzeptanz heißt nicht Aufgeben oder Resignieren. Es ist die bewusste Entscheidung, die Realität anzuerkennen, wie sie jetzt gerade ist. Nicht in den Widerstand gegen das Unabänderbare zu gehen. Ja, meine Kolleg*in ist krank. Ja, Weihnachten steht vor der Tür. Akzeptanz kann den Blick dafür öffnen, was wir wirklich ändern können. Das gibt Kraft. Wann und wie – das darf reifen und hat jetzt, vor Weihnachten, nun wirklich kein Platz.
  3. „ Ich bin nicht allein.“ (Beziehungen und Natur als Kraftquelle)
    Man braucht kein großes Netzwerk an Freunden, um Beziehungen als Kraftquelle nutzen zu können. Ein Lächeln beim Bäcker nebenan, ein empathischer Wortwechsel mit einer Kollegin, oder ein leckeres Essen mit einem guten Freund. Es sind diese kleinen Momente, die uns zeigen: Wir sind nicht allein, wir alle gehen durch stressige Phasen und wir können uns dabei halten. So manch eine Person hierzulande hat noch das Glück, die Natur als Quelle der Ruhe und Kraft nutzen zu können. Ein kleiner Spaziergang hilft: auch nachts, auch im Regen.
  4. Prioritäten setzen (Selbstfürsorge ist nicht egoistisch!)
    Was ist denn nun wirklich lebenswichtig? Es lohnt sich immer wieder einen Schritt zurück zu treten, und sich diese Frage im Alltag zu stellen. Widerstandsfähigkeit heißt auch, auszuhalten, dass der Stapel wächst und morgen nicht kleiner werden wird. Vielleicht schrumpft er in einem Monat. Davon geht die Welt nicht unter – nicht heute zumindest. Also gönn‘ Dir ein gutes Essen zwischendurch. Das Chaos ist sowieso schon da.
  5. „Atmen nicht vergessen“ (Die Synapsen brauchen Pause!)
    Ja, wie kann man das auch vergessen? Es hilft, tatsächlich immer wieder drei bewusste tiefe Atemzüge zwischendurch zu machen, den Körper (vor allem Kiefer, Schultern, Bauch) wahrzunehmen und ihm mal kurz eine Entspannung zu gönnen.
  6. „Erste bewältigte Situationen feiern“: (Dankbarkeit: Wir leben noch!)
    Jeden Tag bewältigen wir viele Aufgaben und lösen sie erfolgreich. Wir vertreten Kolleg*innen, löschen Feuer, setzen Impulse, erledigen Aufgaben, schenken jemanden ein Lächeln. Wir leben. Und das hierzulande meist nicht schlecht. Auch wenn es extrem stressig sein kann.

Resilienz kommt aus dem lateinischem Wort „resilire“ – Übersetzt heisst das: „zurückspringen“ oder „abprallen“. Um die aktuelle Stress-Phase zu bewältigen braucht es eine Mischung aus dickem Winterfell und sanfter Selbstfürsorge: Gönnen Sie sich eine warme Jacke und einen heißen Tee…und beobachten Sie Ihre Atemwolken. Ist das nicht wunderbar? Vergessen Sie nicht: Stress kann resilient machen!

Theresa Siess (November 2025)